Selbstverständnis des Shalomflügels der kommunistischen linksjugend [’solid] Winsen

Wir, der Shalomflügel der kommunistischen linksjugend [’solid] aus Winsen (kurz: Shalom WL), begreifen uns als notwendige Fraktion der Linken & der Linksjugend in und um Winsen.
Die systematische Aufklärung über Antisemitismus, Antizionismus sowie die hieraus resultierende Konsequenz findet und fand in der Linken nur verkürzt bis garnicht statt. Regressive und personifizierte Kapitalismuskritik ist mit ihrem, immanenten antisemitischen Kern immernoch führende Revolutionstheorie. Diesen Verhältnissen, welche eine absolute Unzumutbakeit ausmachen, gilt es entgegenzuwirken.

Die Shalom WL wird sich mit inhaltlichen Fragen zum Antisemitismus, zur Kapitalismuskritik sowie zu Geschichte & nahöstliche Realpolitik beschäftigen.

Es geht um Israel

Wir berufen uns nicht darauf, dass Israel sein Existenzrecht allein aus den Verbrechen des NS- Regimes zieht. Die Geschichte des jüdischen Volkes, welche auch hier aufgearbeitet werden soll, wird zeigen weshalb Israels Existenz unabdingbar ist. Israel als Staat hat die emanzipatorische Eigenschaft alle vom Antisemitismus Verfolgten von eben jenem zu emanzipieren. Des weiteren ist Israel mit seinem kulturellen Großteil einem westlichen, demokratischen Überbegriff zuzuordnen, was es schon allein aus zivilisatorischen Gründen zu einem Staat macht, der antizivilisatorischen Regierungen & Bewegungen (wie z.B.: Iran & Hamas) vorzuziehen ist. Da Israel sich weiterhin, trotz Nahost-Friedensprozess und israelischen Unabhängigkeitskrieg, in einer prekären Lage befindet, da es immernoch „der Jude“ unter den Staaten ist, ist es wichtig ein Zeichen der unbedingten Solidarität mit Israel zu setzen und den Kampf gegen Antisemitismus (egal wie dieser aussieht) zu fördern.

Das Scheitern der Integration in die Weltgesellschaft von Juden und Jüdinnen ist ein weiterer Angelpunkt in unserer Solidaritätserklärung. Obgleich es in Mitteleuropa, Nahost, Afrika, Asien oder Amerika war: Der Antisemitismus wurde überall, mal mehr, mal weniger stark ausgeübt. Wobei Mitteleuropa nahezu den Höhepunkt einer antisemitischen Vernichtungslogik erreichte, und Amerika (USA) ein extrem kleines Aufkommen von Antisemitismus hatte. Dass nichts mit dem Mitteleuropäischen Antisemitismus zu vergleichen ist, ist ein Knotenpunkt des Shalom WL. „Die Forderung, dass sich Auschwitz nicht wiederhole, nichts Ähnliches geschehe[…]“ ist ein weiterer Knotenpunkt.
Die Welt war nach dem Tod Jesu nie frei vom Judenhass. In der Vorindustriellen Zeit war dieser aber ein rein religös bedingter Antijudaismus, der leider auch in Progromen endete. Durch die Industrialisierung und dem damit aufkommenden Kapitalismus und Nationalismus mutierte der alte Antijudaismus zum Antisemitismus wie wir ihn zum Teil heute noch kennen.

„Eine jede Staats­kritik wird daran zu messen sein, ob sie mit dem Staat Israel, jener prekären Nothilfemaßnahme gegen die antisemitische Raserei, sich bedingungslos solidarisch erklärt, was die Solidarität mit dessen bewaffneter Selbstverteidigung selbstverständlich einschließt. Und jede Kritik am Kapital ist daran zu messen, ob sie, als ihr theoretisches Zentrum, dessen negative Selbstaufhebung in manifester Barbarei als eine wiederholbare Konstellation auf den Begriff zu bringen vermag und zum Angelpunkt der Agitation macht.“
(Clemens Nachtmann)

Kampf zwischen Arm & Reich – der Klassenkampf als Antisemitismus

„Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Pebejer, Baron und Leibeigener, Zunftbürger und Gesell, kurz, Unterdrücker und Unterdrückter standen in stetem Gegensatz zueinander […]“
(Karl Marx & Friedrich Engels, Manifest der kommunistischen Partei von 1848)

In der Geschichte des Klassenkampfes wurde bereits im Hochmittelalter gemeint eine Verbindung zwischen Geldgeschäften, der sogenannten „abstrakten Arbeit“, und Juden aufgedeckt zu haben. Als Gegenstück zu diesen Geschäften, wie z.B. der Bankgesellschaft, wurde damals die „konkrete, produktive Arbeit“ gesehen. Das Übel wurde, wie auch noch später bei Proudhon, bei jenen Gesucht, die die „Geldberge horten“. Der mittelalterliche Antisemitismus hatte demnach eine ökonomische Wurzel, war nicht mehr rein religöser Kultur (wie z.B. der Antijudaismus, der sich im groben darauf beharrt, dass Judas Jesus verriet.).
Die sogenannten „Bauernkriege“ von 1525 waren angedacht als eine Art Revolution verliefen sich allerdings, wie so oft bei deutschen Revolutionen, in antisemitische Mördertruppen. Die Bauernkriege, welche einen Umsturz der bisherigen Arbeitszustände forderten, jedoch offen & subtil das raffende Kapital anprangerten, waren wie eine Initialzündung für den mitteleuropäischen Antisemitismus der NS-Zeit. Deutsche Arbeiterbewegung, deutscher Antisemitismus in seiner extremsten Form (dem Nationalsozialismus) beriefen sich auf eben diese Bauernkriege von 1525 als historische Vorläufer.

Ein weiteres Beispiel für klassenkampfbezogenen Antisemitismus sind Pierre-Joseph Proudhon (* 15. Januar 1809 ; † 19. Januar 1865) Thesen.
In seiner Kapitalkritik, die nicht gerade unerheblich für viele sozialistische, revolutionaire Bewegungen des neunzehnten Jahrhunderts waren, schrieb er von einer Kapitalkonzentration in Zinsgeschäften, welchen ausschließlich denen anzulasten seien, welche von Ihnen profitieren:
“ […] Problem liege in der Zirkulation, weil die Knappheit des Geldes Produktion und Austausch lähmten. Genauer gesagt seien es die Geldbesitzer, die dieses Tauschmittel horten, um Zinsen zu kassieren.“
Des weiteren fand man antisemitische Notizen:

„Juden. Einen Artikel gegen diese Rasse machen, die alles vergiften, indem sie sich überall einmischen ohne sich mit einem Volk zu vereinen. Ihre Ausweisung aus Frankreich verlangen, außer den Individuen, die mit Französinnen verheiratet sind; die Synagogen abzuschaffen, sie an keinem Arbeitsplatz anzunehmen, schließlich die Abschaffung dieses Kultes zu verfolgen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Christen sie von Gott verlassen genannt haben. Der Jude ist der Feind der menschlichen Art. Man muß diese Rasse nach Asien verweisen oder vernichten. Durch das Eisen oder durch das Feuer oder durch die Ausweisung ist es notwendig, dass der Jude verschwindet… Die alten Männer tolerieren, die nichts mehr verursachen. Zu machende Arbeit. Das, was die Völker des Mittelalters instinktiv hassten, hasse ich durch Überlegung und unwiderruflich. Der Hass des Judens wie der Engländer muß unser erstes Ziel des politischen Glaubens sein.“
(Pierre-Joseph Proudhon: Carnets, 26 décembre 1847 ,Notizbücher, 26. Dezember 1847) [Wikipedia]

Auf den proudhonistischen Theorien basierend schrieb der 1862 geborene Silvio Gesell eine Wirtschaftstheorie, welche ihre Bedeutung in der Phase der Deflation in den 1930ern in Deutschland und Österreich fand. Sie war ein offener Eingang für den Antisemitismus innerhalb der Linken.
Gesell forderte eine neue Art von Arbeitsvertrag. Dieser Arbeitsvertrag soll ohne Abzug von Zinsen oder Renten sein. Ohne diesen Abzug behält sich die volle Summe des Einkommens, welches verteilt wird „nach den Gesetzen des Wettbewerbs“.
Für Gesell gibt es, ähnlich wie im Hochmittelalter, ein „schaffendes, gutes, produktives“ Kapital und ein „raffendes, schlechtes, unproduktive“ Kapital. Das Finanzkapital wird (wiedereinmal) mit „dem Juden“ gepaart. Gesell möchte das „Schwundgeld“ einführen und damit verhindern, dass Geld gehortet und Zins abgeschöpft wird. Hier versucht Gesell zwei untrennbare Dinge zu trennen, er verliert sich jedoch damit in ein antisemitisches Weltbild. Nach 1945 existierten die Freiwirtschaftsgruppen nicht mehr im gleichen Stil, fanden jedoch in rechtsextremen Gruppierungen, in christlichen Gruppen sowie in Teilen des Anarchismus wieder. Gesells Wirtschaftstheorie ist allerdings eine Theorie an der die neonazistischen „Querfront“ Pläne vermehrt funktionieren.

Heutzutage ist eine ähnliche Kapitalkritik, welche immanente antisemitische Tendenzen und Puntke hat, vorherrschend:

Der traditionelle Bewegungsmarxismus bekämpft nicht primär den Kapitalismus, als alles-umfassendes System, sondern eher die KapitalistInnen, welche innerhalb des Systemes eine Klasse darstellen. Es wird angezeigt, dass die Klasse der „bösen“ KapitalistInnen der „guten“ Klasse, den ArbeiterInnen, die Produktionsmittel vorenthält. Wer sich also auf die Seite des „guten“ Proletariats schlägt und Ihm hilft sein Recht auf die „Umverteilung der Produktionsmittel“ durchzusetzen, ist einer von „den Guten“ – wem es allerdings besser geht, als dem Proletariat, da er sich innerhalb des Systems einen Stand erworben hat, indem er selbst zum Produzenten wird, steigt in die „böse“ Klasse der KapitalistInnen auf, wird demnach behandelt wie „ein Böser“. Hier wird der Kapitalismus allein als „Verteilungproblem“ aufgefasst. Es wird nur die Sphäre der Zirkulation hinterfragt, nicht jener der Produktion.
Dies ist personifizierte Kapitalkritik, welche unweit von o.g. Kapitalkritiken unterscheidet. Ein weiteres Phänomen mit ähnlicher Argumentationweise ist der Konzernboykott, indem Großkonzerne dem Konsum ausgeschlossen werden. (Diese Argumentation lässt sich auch auf Israel reflektieren).

„Dass das Unrecht nicht Systemcharakter ist , sondern Namen und Adressen hätte – der Kapitalismus also nichts anderes wäre als eine Verschwörung bösartiger Reicher – ist ein alter Mythos breiter Teile der Linken.“
(Thomas Schmidinger; Struktureller Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik)

Lenins Schriften, welche immernoch in großen Teilen der Linken Zuspruch finden, behandeln das Zinskapital als „unmittelbar personalistisch verstandenes Herrschaftsverhältnis“. Hierbei begibt sich Lenin auf ein Niveau, welches von „raffenden“ und „schaffenden“ Kapital redet:
„[…] den historischen Übergang zum Aktienkapital als eine qualitative Veränderung des Kapitalismus: als Ablösung des freien Konkurrenz – durch den Monopolkapitalismus, der durch einige weniige „Finanzoligarchen“ kontrolliert und in dem das „blinde Wüten des Wertgesetz“ partiell aufgehoben sein. Dies seind durch das bürgerliche Kreitwesen verursacht, welches sich die ganze Produktion unterwerfe und seinemn verwerflichen Zielen zunutze mache.“

Wer die Gesamtheit des kapitalistischen Systems nicht durchschaut oder durchschauen möchte, der wird in verkürzter, regressiver und antisemitischerweise Kapitalkrik verüben. Wer sich einer monokapitalistischen Allmacht bewusst zu sein vermag, der gleitet schnell in Verschwöungstheorien ab, welche eine paralelle schlagen zu den antisemitischen Vorwürfen der gesellischen und proudhonischen Kapitalkritik. In direkter Aussprache bedeutet diese Paralelle das Zusprechen von denselben Eigenschaften an KapitalistInnen, die auch von AntisemitInnen an Juden gestellt werden: Allmacht, Globalität, Böswilligkeit, Klandesinität.

Der Mythos von der guten Arbeiterbewegung sollte sich nach dem dritten Reich aufgelöst haben, aber dem ist nicht so. Die proletarische Bewegung des Nationalsozialismus für den Nationalsozialismus, mit seinen ethischen Unzumutbarkeiten, wird einfach ausgeblendet. Die personifizierte Kapitalkritik ist nach wie vor die Schlüsselbewegung der Linken.

Imperialismus – vom großen und kleinen Teufel

In der Antiglobalisierungsbewegung findet die Linke den höchsten Punkt ihres Antisemitismus. Hier wird offen gezeigt, welche Ideologie sich hinter der „No Global Action“ verbirgt. Statt die förderlichen Aspekte der Globalisierung, auch auf lange Zeit gesehen, zu erfassen wird einem Konzept nachgeiefert, welches unreflektiert jede Globalisation abschneiden möchte. Die Konsequenz, welche aus dieser „No Global Action“ zu tragen ist, ist die Naturbelassenheit aller Völker, einer der primitivsten Formen von sozialer Organisation. Die Naturbelassenheit ist Träger eines starken Rassismus. Spannend ist, dass sich die Ideologie der Antiglobalisierungsbewegung nahezu identisch mit neonazistischer Ideologie verhält. Der Imperialismus (besonders der anglo-amerikanische Kulturimperialismus) bietet eine große Angriffsfläche für Verschwörungstheorien, wie sie auch in der linken Szene häufig sind. Eine der am meisten verwendeten Verschwörungstheorien ist die Theorie, dass Israel ein kapitalistischer Brückenkopf zu Asien ist, da sich „das Kapital“ nicht für Antisemitismus interessieren würde. Selbst hier ist wieder die Rede von „dem Kapital“, „den KapitalistInnen“ und weitertragend meint man damit: „den Juden!“. Antiimperialismus fordert die uneingeschränkte Solidarität mit Völkern. Diese Forderung ist mit jenen aus der neonazistischen und faschistischen gemein.
Im linken Antizionismus kommt ein subtiler Antisemitismus zum Vorschein. Menschen die sich gegen den israelischen Staat aussprechen, in welcher Form auch immer, handeln antisemitisch! Die Konsequenz von dem Auflösen Israels würde tatsächlich etwas vergleichbares wie die Schoah hervorrufen.

Der große Teufel, von dem hier die Rede ist, ist die USA. Der Antiamerikanismus stammt aus den Friedensbewegungen der 68er. Durch die imperialistischen Kriege wurde der USA den Titel der „Kriegstreiber & Menschenverbrecher“ auferlegt. Man sprach von den „Amerikanern“ von dem „Ami“ als „Kriegstreiber & Menschenverbrecher“, also wird hier ein Antisemitismus deutlich: Der strukturelle Antisemitismus.
Aus linken und rechten Positionen heraus werden die USA immernoch stark kritisiert, zumeist auf o.g. antisemitischer Art und Weise. Der anglo-amerikanische kulturimperialismus trägt jedoch die westlichen, zivilisatorischen Werte in sich, die in vielen anderen Ländern und Besatzungszonen nicht haben oder hatten, so war es z.B. üblich in Afghanistan, als die Taliban führend waren, dass diese Taliban Frauen offen auf den Straßen mehrfach vergewaltigen konnten, danach sogar hinrichten lassen konnten. Der Kampf gegen den „Ami“ und „seiner“ westlichen Welt wurde schon um 1928 rum von der Muslimbruderschaft eingerufen. Der junge Hasan al-Banna, der in traditionellen Verhältnissen aufwuchs, war geschockt als die Zeit der Kolonisierung Ägyptens anbrach. Er gründete die Muslimbruderschaft, welche eine starke politische Partei im gesamten nahen Osten wurde und offenen Antisemitismus predigte. Später entstand aus dieser Gruppe auch die PLO und die Hamas, letztere wurde kürzlich mit großer Mehrheit zur führenden Partei in den palästinensichen Autonomgebieten bestimmt. Die islamistische Hamas, weche streng nach der Charta handelt, ist eine der gefährlichsten antisemitischen, islamistischen Gruppierungen der Welt.
Die Hamas Charta enthält eindeutige antisemitische Positionen wie:
„Der Prophet – Andacht und Frieden Allahs sei mit ihm – erklärte: Die Zeit wird nicht anbrechen, bevor nicht die Muslime die Juden bekämpfen und sie töten; bevor sich nicht die Juden hinter Felsen und Bäumen verstecken, welche ausrufen: Oh Muslim! Da ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt; komm und töte ihn!“

Tätigkeit des Shalomflügels

Wir, der Shalomflügel der kommunistischen linksjugend [’solid] aus Winsen (Luhe), legen unsere Tätigkeit auf Aufklärung. Wir unterhalten diesen Internetblog, wir arbeiten Referate und Vorträge aus, welche wir bei Ihnen/Euch halten können. Shalom WL wird sich des weiteren an Aufkleber- und Plakatentwerfung beteiligen.

Grundsatzerklärung des BAK Shalom

Hamas heißt Krieg [.pdf]

Das Selbstverständnis wird noch um folgende Themen erweitert:

offizielle Gründungserklärung