In eigener Sache: Konzertempfehlung

Am 19. Februar 2010 hat die kommunistische Linksjugend [’solid] Winsen Luhe, in Zusammenarbeit mit der antifaschistischen Aktion Winsen & Umgebung [AWU] ein Konzert im örtlichen Jugendzentrum „Egons“ organisiert.

Der Abend trägt das Motto: „Music against Fascism“ und wurde zu antifaschistischen Solidaritätszwecken ins Leben gerufen.
Die Mainacts für den Konzertabend sind:

Schlagzeiln [SGZ] – Hip Hop/Rap aus Berlin
Johnny Mauser – Hip Hop/Rap aus Lüneburg

Des weiteren werden noch verschiedene lokale Bands auftreten, die eher im Punk/Hardcore Bereich anzusiedeln sind, so der Veranstalter. Die kls Winsen kündigt noch einige Specialguests an, welche Musiker das sind wird allerdings noch nicht verraten.
Der Abend fängt um 18:00 Uhr mit einem offenen Treffen an. Um 19:30 werden dann die ersten Musiker die Bühne betreten. Der Einlass liegt bei 4-6 Euro.

Hier noch der Flyer, der von der kls Winsen entworfen wurde.

„Arbeit macht frei“ – 60 Millionen Euro auch?

Diebe stehlen Auschwitz-Schriftzug: „Arbeit macht frei“

In der Nacht zu Freitag, dem 18.12.2009 so zwischen 3:30 und 5:30 morgens, stiehl eine Gruppe Unbekannter den berühmten Auschwitz-Schriftzug „Arbeit macht frei“, welcher über dem Eingangstor des ehemaligen Konzentrazionslagers Auschwitz I befestigt war.
Die Wachmänner der Gedenkstätte hatten das Fehlen des Schriftzuges während eines Rundganges gegen 6:00 uhr morgens bemerkt. Das Gelände soll videoüberwacht sein. Die Polizei wertet zurzeit die Aufnahmen aus.
Presseberichten zufolge soll die Polizei sofort mit der Fahndung, des gestohlenen Gegenstandes begonnen haben. Des weiteren hat die Polizei eine Belohnung von umgerechnet 1200 € auf Hinweise, die zur Täterergreifung führen ausgesetzt.
Der Vorfall sorgte weltweit für Empörung:

„Hier zeigt sich, dass den Menschen nichts mehr heilig ist. Sogar derart symbolische und weltweit bekannte Orte wie Auschwitz-Birkenau, wo Hunderttausende ihre Leben verloren haben, sind nicht sicher vor Vandalismus und Diebstahl, und zwar vor so einem frechen Diebstahl.“ – Andrzej Przewoznik (von der staatlichen Denkmalpflege in Polen)

Die israelische Regierung sprach von „einer scheußlichen Tat […] die auf Entweihung hinauslaufe“. Durch diese Tat werde „Der Hass und die Gewalt gegen Juden deutlich“, so der israelische Vize-Regierungschef Silvan Schalom in Jerusalem.

Der Präsident der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem in Israel hatte von „einem Anschlag auf die Erinnerung an die Judenvernichtung“ gesprochen. [Quelle: http://www.tagesschau.de/ausland/auschwitz112.html]

Der Schriftzug wurde, in drei Teile zerschnitten, in einem polnischen Waldstück gefunden und wurde dem Museum übergeben. Der Sprecher des Museums versicherte, dass der Schriftzug repariert werden solle. Bald schon soll er wieder dort hängen, wo er vorher hing. Unweit des Fundortes wurde die Wohnung eines mutmaßlichen Täters ausgemacht.
„Es handelt sich dabei um fünf Männer im Alter zwischen 20 und 39 Jahren. Sie wurden alle in der Woiwodschaft Kujawsko Pomorskie festgenommen und nach Krakau gebracht.“, so Polizeisprecher Dariusz Nowak.

Die Polizei geht nicht von einer antisemitischen Tat aus, sie vermutet, dass die Tat mit einem räuberischen Motiv zusammensteht. Die Festgenommenen werden zurzeit verhört.

Verbesserte Sicherheitsanlage für die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

„Das einzig Positive an diesem Verbrechen ist, dass das frühere KZ, das bisher mit bescheidenen polnischen Mitteln unterhalten wurde, europa- und weltweit auf sich aufmerksam macht.“ – Stanislaw Zelichowski von der PSL

Nun sollen die Sicherheitsanlagen in und um der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau erneuert und aufgerüstet werden. Als Spender dienen hier einige Regierungen wie USA, Kanada und auch Deutschland.
Deutschland selbst beteilige sich mit 60 Millionen Euro.

„Arbeit macht frei“ – 60 Millionen Euro auch?

Das Vergessenwollen liegt wohl immernoch innerhalb eines deutschen Kontext.
Das größte deutsche Vernichtungslager, welches im Mai 1940 seinen Anfang im Stammlager „Auschwitz I“ fand, in dem insgesamt bis zu 1,5 Millionen Menschen systematisch vernichtet worden sind und nun als Gedenkstätte fungiert. Die Geschichte, die Erinnerung an die Schoah scheinen nicht genügend Raum in der deutschen Politik zu erhalten, ansonsten wären schon rechtzeitig moderne Sicherheitsanlagen in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau installiert gewesen.
Hat Deutschland absichtlich die Geschichte hinter den polnischen Wald fallen lassen, da es ja offenkundig geklärt worden ist, dass man wieder stolz auf seine deutsche Heimat, seine deutsche Geschichte und sein deutsches Volk sein kann?!
Als Beispiel ein Zitat von Peter Harry Carstensen – Ministerpräsident (CDU) von Schleswig-Holstein am 31.Oktober 2008 in Hamburg:

„Ich bin stolz Deutscher zu sein, ich bin stolz Norddeutscher zu sein, ich bin stolz, dass ich Schleswig-Holsteiner bin. Ich bin sehr stolz auf meine Heimat! Ich bin auf die Geschichte stolz, ich bin auf diese Kultur stolz und ich sage das ohne Vorbehalte und ohne ein schlechtes Gewissen!“

Sicherlich hatte Herr Carstensen keinerlei Vorbehalte, er hatte ja auch genau das geklärt, was für ein Volksbewusstsein geklärt werden musste. Schoah hin oder her. Einhergehend mit einer solchen Erklärung lässt sich auch das verspätete Aufkommen der finanziellen Unterstützung von Gedenkstätten deuten. Deutschland als vereintes Volk, welches schon weit vor Herrn Carstensens Erklärung verstanden hat, dass es keinen Platz für tatsächliche deutsche Geschichte, und schon garnicht für Postnazismus [anbei eine beispielhafte Lesung, sowie ein Video], in einer Deutschlandbiografie geben darf.
Entschuldigt sich Deutschland mal wieder mit verspäteter, oder auf Nachdruck geschehener, finanzieller Unterstützung für die Vernichtung von 6 Millionen jüdischer Menschen anstatt seine eigene Geschichte systematisch Aufzuarbeiten, oder wenigstens für rechtzeitige Unterstützung der geschichtsaufklärenden Projekte zu sorgen.

Weltweite Aufmerksamkeit auf Auschwitz Part II

Auschwitz zog, nun zum zweiten Mal, weltweite Aufmerksamkeit auf sich. Auch wenn die Tat an sich keine Antisemitische gewesen sein soll, so liegt doch in ihrer Immanenz ein grundfester Antisemitismus. Wer den Gedenkstätten an den Nationalsozialismus beschmutzt, beschädigt, beklaut o.Ä. ist Antisemit, dass rührt daher, dass es entweder eine vollkommene geschichtliche Bildungslücke bei den Tätern gegeben haben muss (was die antisemitische Tat unbeabsichtigt machen würde) , oder es wurden die geschichtlichen Gegebenheiten ignoriert. Schoah hin oder her.
Das Absehen von der Sicherung solcher Gedenkstätten ist ebenfalls Träger eines starken Antisemitismus: Die Gedenkstätten, als aufklärendes Moment sind dazu in der Lage faschistischen Strukturen entgegenzuwirken. Das Vergessen solcher Gedenkstätten, löst deren aufklärendes Moment proportional mit deren Zerfall auf, was einer erneuten Antisemitismus Welle von Mitteleuropa den Weg ebnen würde. Des weiteren sieht Deutschland den Antisemitismus als „Nahost-Problem“ oder als „Vergangenes“, aber nicht als umfassende Problematik, welche sich durch alle gesellschaftlichen Schichten ziehen kann und zieht.
Die Bekämpfung des Antisemitismus ist nicht allein mit der verspäteten Zuschreibung von 60 Millionen Euro oder anderen Beträgen gemacht. Die Bekämpfung von Antisemitismus muss überall präsent werden. Es muss ein großes, umfassendes und aufklärerisches Moment entstehen, welches sich ausgiebig mit der deutschen Geschichte & dem Antisemitismus befasst.
Vom „vereinten, neuen“ deutschen Volk hört man meist die gleichen Abwertungen, nämlich jene, dass es „ohnehin eine ganz andere Generation gewesen ist“ und man selbst damit nichts zutun hätte, oder die vom Stolz auf seine Heimat und auf eine sichere Zukunft im heimischen Deutschland.